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Manuela Schwesig: Wir brauchen eine neue Familienarbeitszeit

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(@united)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin,

Ich verstehe nicht wie dem Satz "Die Väter lobten die Mütter und diese ihre Nannys wie gut sie mit den Kindern umgehen können." entnehmen kann, dass nur Männer nicht betreuen wollen.

Ich erkläre gerne wie ich zu dieser Entnahme aus Deinem Post komme:

Aber tun sollen immer andere etwas und genau da liegt das Problem. Jeder von euch kann das Problem dadurch lösen, dasss ihr zu Hause bleibt oder zahlt, macht ihr aber nicht,

Daraus habe ich entnommen "Männer wollen nicht betreuen" ...
... das "nur Männer" habe ich nicht geschrieben.

Das "Ihr" habe ich aber aufs männliche Geschlecht bezogen ... vielleicht fehlinterpretiert, komme aber auch bei nochmaligem Lesen Deines Beitrags zum gleichen Ergebnis.

Susi, das liegt an der Brille, durch die man(n) guckt.

Vielleicht liegt auch diese Deutung tatsächlich an des Mannes Brille.

Aber ich finde es irgendwie belustigend, wenn in einem Forum, in dem sich überwiegend Väter einbringen, die Kinder betreuen wollen (und in mehr als einem Falle auch tun), herauszuposaunen "Ihr habt die Wahl, aber Ihr wollt doch nicht" ... sorry, dieses Wahlrecht haben Väter nicht.
Dieses Wahlrecht haben Eltern bestenfalls gemeinsam.

Erinnert mich ein wenig an meine eigene Trennung (vielleicht reagiere ich deshalb etwas sensibel):
Ex: Ich fühle mich in der Ehe eingesperrt.
Ich: Dann lass ich Dich frei und Du lässt die Kinder hier.
Ex: Ich lasse meine Kinder nicht im Stich.

Ergebnis:
Eine Wahlmöglichkeit hatte ich aufgrund der klassischen Rollenverteilung nicht.
Ich habe mich nie eingesperrt gefühlt, wurde aber irgendwie freigelassen ... ich habe nicht rumgemault, sondern das beste draus gemacht.
Das hat ihr dann auch nicht gefallen.

Zu den 24h-KiTas dann nochmal:

Und dadurch, dass dieser Bedarf nun so einfach flächendeckend befriedigt wird, steigt eben auch der Bedarf.

Ich glaube nicht, daß mal auf die Schnelle ein flächendeckendes Angebot gezaubert wird.
Auch glaube ich nicht, daß wir in absehbarer Zeit Kinderschlafzentren mit Massenabfertigung haben werden.
Ob ein derartiges Angebot von der Allgemeinheit finanziert werden sollte, oder ob man es nicht den Arbeitgebern mit einer "Abgabe pro Arbeitsplatz außerhalb der Kernzeiten" aufbürden könnte, darüber ließe sich streiten.
Mit der Schaffung eines derartigen Angebotsan sich habe ich aber kein Problem.

Gruß
United

AntwortZitat
Themenstarter Geschrieben : 18.07.2015 10:14
(@beppo)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Ich weiß, es ist hier ein bisschen weit her geholt und ich habe es oben schon zu erklären versucht aber dennoch tu ich es nochmal:

Wenn ich will, dass die Männer für mich in den Krieg ziehen, muss ich dafür sorgen, dass die Frauen in die Fabriken gehen und die Kinder in die 24h Kita. Genau das hat Barbie in der DDR verinnerlicht.

Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.

AntwortZitat
Geschrieben : 18.07.2015 11:03
Lausebackesmama
(@lausebackesmama)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

@ United:

Aber ich finde es irgendwie belustigend, wenn in einem Forum, in dem sich überwiegend Väter einbringen, die Kinder betreuen wollen (und in mehr als einem Falle auch tun), herauszuposaunen "Ihr habt die Wahl, aber Ihr wollt doch nicht" ... sorry, dieses Wahlrecht haben Väter nicht.
Dieses Wahlrecht haben Eltern bestenfalls gemeinsam.

Das stimmt so pauschal eben nicht. Du übersiehst an dieser Stelle leider, dass hier viele Frauen aktiv sind, die wollen, dass sich die Väter um ihre Kinder kümmern. Ob zu 100%, 50% oder wenigstens 20% lassen wir jetzt mal offen. Du übersiehst dabei auch, dass sich hier überwiegend nicht die Frauen angemeldet haben, bei denen die Väter genau das wollen, sondern die, die entweder psychisch, körperlich oder "wegen kein Bock" nicht dazu in der Lage sind.

Eben diesen Frauen, die unfreiwillig in die Rolle gedrängt werden, diese gemeinsamen Kinder allein zu versorgen (egal ob durch Betreuung, finanziell oder beides) BRAUCHEN diesen Support durch Kinderbetreuung. Möglicherweise ist das für einige hier ein bißchen zu schwer nachzuvollziehen, weil sie (freiwillig oder unfreiwillig) nie in der Situation waren, dass sie beides unter einen Hut kriegen müssen.

Ich kann Dir z. B. sagen, dass es für mich eine wahnsinnige Erleichterung war, als ich meinen Sohn nicht mehr um 6 Uhr im Hort abgeben musste, sondern er in der Lage war, sich selbst allein morgens für die Schule vorzubereiten. Meinst Du nicht auch, dass es für "Mütter wie mich" auch schöner wäre, mit dem Nachwuchs in Ruhe zusammen zu frühstücken, die Küche aufzuräumen, entspannt zur Arbeit zu fahren, da ein paar Stündchen zu arbeiten und dann das Kind nach der Schule wieder einzusammeln, Mittag zu essen, Hausaufgaben zu betreuen, anschließend schwimmen zu gehen, ein wenig Haushalt zu machen und nach einem gemeinsamen Abendbrot den Tag ausklingen zu lassen?

Wäre eine super Sache, nur: wer wie finanziere ich damit meinen Unterhalt, den meines Kindes und den hübschen Schuldenhaufen, der mir nach der Scheidung verblieben ist? Ach ja. Der "feine Staat", der ja soooo schei.ße ist, dem könnte ich ja mit Hartz4 auf der Tasche liegen und ein bißchen Privatinsolvenz machen, statt Eigenverantwortung zu übernehmen und diese auch meinem Kind vorzuleben.

Mir ist nach wie vor schleierhaft, wie Väter, die sich nach der Trennung eine eigenverantwortlich lebende Exfrau wünschen, aber sich tatsächlich dagegen wehren, dass Betreuungsangebote für Kinder ausgedehnt werden. Nur mal ein anderes Beispiel: Mein Sohn ist nun 11 Jahre alt, kommt nun auf die Oberschule und hat in den Ferien keine Hortbetreuung mehr. Natürlich ist er in der Lage alleine zu bleiben. Aber was meinst Du, wie sich diese Zeit gestaltet? Na klar, der sitzt von früh bis spät da und daddelt. Finde ich total bescheuert, ich habe aber nun mal NUR 30 Urlaubstage, die für 13 Wochen = 65 Tage nicht reichen. Das ist natürlich totaler Barbiemodus, wenn man sich für sowas eine adäquate Betreuung wünscht.

Ich bin ehrlich, wenn ich solche Freds wie diese hier lese, dann weiß ich, im nächsten Leben kriege ich keine Kinder mehr.

LG LBM

‎"Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung,
dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst."

AntwortZitat
Geschrieben : 18.07.2015 14:25
(@beppo)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Natürlich weiß ich, wie deine Situation ist und dass sie bescheiden und schwierig ist.

Gerade deswegen wünsche ich mir, dass die Politik Lösungen schafft, die dieses Problem verringern und nicht fördern und vergrößern.
Auch wenn es noch ein wenig utopisch ist.

Hältst du es wirklich für eine gute Lösung, wenn du dein Kind jeden 3. Abend bei Schichtbeginn in eine Kita tragen musst, damit es dort behütet übernachten kann?

Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.

AntwortZitat
Geschrieben : 18.07.2015 15:47
Lausebackesmama
(@lausebackesmama)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Hältst du es wirklich für eine gute Lösung, wenn du dein Kind jeden 3. Abend bei Schichtbeginn in eine Kita tragen musst, damit es dort behütet übernachten kann

Ja. Ich kann dann nämlich mit dem Gewissen, dass mein Kind betreut ist, arbeiten, danach eine Runde selbst schlafen und es dann abholen und mit ihm Zeit verbringen.
Es ist doch lediglich die Tageszeit der Betreuung eine Andere.

Wenn ich dann 2 Tage frei habe, geht es eben nicht in die Kita. Und wenn ich Tagschicht habe, tagsüber. Es sichert Existenzen. Nicht nur den der arbeitenden Schichtdienstlerin sondern auch die des nicht ehegattenunterhaltzahlenmüssenden Exmannes.

Und wenn der Exmann sagt, er kann in den Nächten das Kind betreuen, dann kann er das ja tun.

Und jetzt sag nicht, dass es den Frauen dazu dienen wird, die Kinder nicht zum Vater zu geben. Das darf man genauso wenig pauschal unterstellen wie Vätern, dass diese das GSR von Geburt an  nur dazu nutzen werden, um der Mutter zu schaden, nur weil einige das tun.

LG LBM

‎"Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung,
dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst."

AntwortZitat
Geschrieben : 18.07.2015 16:01
(@beppo)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Mir ist klar, dass du eine Lösung brauchst.

Ich halte diese aber für schlecht.

Und ich vermute, du würdest sie auch schlecht finden, wenn du die Rechnung dafür bezahlen solltest.

Es kostet nämlich auch dann viel Geld, wenn du das nicht auf der Rechnung findest, sondern auf dem Steuerbescheid.

Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.

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Geschrieben : 18.07.2015 16:11
Lausebackesmama
(@lausebackesmama)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Ich brauche keine Lösungen mehr, weil mein Kind jetzt groß genug ist, dass es sich selbständig durch den Alltag bewegen kann. Und solche Probleme wie "durch die Ferien daddeln" muss ich eben hinnehmen. Mir ist aber bewusst, dass es eben viele Männer und Frauen (nicht nur die Alleinerziehenden) gibt, die Lösungen brauchen. Dass es die nicht "geschenkt" gibt ist klar. I. d. R. sind Betreuungskosten aber einkommensabhängig und werden ja auch staatlich gefördert.

Ist es nun besser, die Betreuung durch den Staat finanziell zu fördern oder gleich den kompletten Unterhalt des/der Elternteils / Elternteile?

Es ist doch gerade die mögliche Fremdbetreuung, die die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Eltern schon während der Beziehung kein klassisches Rollenmodell leben. Und das wieder legt den Grundstein dafür, dass im Fall des Scheiterns der Beziehung nicht einer zum Zahlknecht degradiert wird.

Mein Problem hier ist, dass grundsätzlich erst mal alles abgelehnt wird, was "von oben" kommt. Da MUSS irgendwas schlecht dran sein. Damit ich das Wort "gleichberechtigt" nicht wieder fehlverwende, wie soll denn eine Familie "autarke" erwachsene Familienmitglieder hervorbringen, wenn nicht auch das Angebot von außen zur Unterstützung entsprechend ausgeweitet wird?

Wir brauchen flexible Arbeitszeiten, wir brauchen flexible und bezahlbare Kinderbetreuung. Nur wenn wir dahin kommen, erreichen wir auch ein "geht nicht - gibt's nicht". Weder für intakte Familien noch für die beziehungstechnisch gescheiterten Paare mit Kindern.

Dass das freilich keine Lösung für die Paare ist, bei denen EIN Elternteil (irgendetwas) nicht WILL, ist klar. Aber dafür findet man keine wie auch immer geartete Gestaltung der Arbeit und Betreuung. Aber deshalb darf man nicht die kaltstellen, die gerne WOLLEN.

LG LBM 

‎"Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung,
dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst."

AntwortZitat
Geschrieben : 18.07.2015 16:29
(@beppo)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Wenn ich mir anschaue, was eine ganz normale Kindertagesstätte den Steuerzahler angeblich kostet, so kann ich mir ausrechnen, dass es gesamtwirtschaftlich billiger wäre, wenn Mutti eben nicht nachts für 50,- € Kelnert und gleichzeitig für 200,- € ihr Kind in der 24h Kita unterbringt. Da ist Hartz4 ja noch biliger. Und nein, diese Rechnung wird nicht sinnvoller, wenn man diesen Betrag in den Staatsschulden versenkt, wie den ganzen anderen Blödsinn auch.

Seit Generationen hat man dieses Problem entweder mit der Oma, dem Nachbarn, dem Papa, oder eiinem Babysitter gelöst.

Mit ein bisschen gutem Willen ist es nämlich kein (großes) Problem. Jedenfalls keins, dass DIESER Lösung bedürfte.

Und ja, ich bin mittlerweile tatsächlich der Meinung, dass DIESE Regierung wirklich alles falsch macht. Nicht nur aber ganz besonders Barbie.

Mir fällt jedenfalls auch bei längerem Nachdenken absolut nichts ein, was diese Regierung bisher richtig gmacht hätte oder unser Leben schöner.

Ich werde deswegen aber keine Republikflucht begehen, sondern weiter auf die Mauer steigen und rufen: "Wir sind das Volk!"

Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.

AntwortZitat
Geschrieben : 18.07.2015 16:40
(@oldie)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin

Es muss sie doch niemand in Anspruch nehmen. Aber deshalb darf man es doch denen anbieten, für die das existenziell notwendig ist, ohne eine philosophische Grundsatzdebatte zu führen, die keinen weiterbringt?

Das Angebot selber beinhaltet aber nun mal Wettbewerb. Von daher ist die von Dir behauptete philosophische Grundsatzdebatte sehr wohl und auch unter diesem Blickwinkel zu führen. Neue Angebote müssen m.E. in der Gesamtheit betrachtet werden - zwingend. Nicht der kurze Blick auf neue Möglichkeiten, sondern auch unter dem Blickwwinkel neuer sich daraus ergebener gesellschaftlicher Selbstverständlichkeiten, welche später zu Pflichten werden und Freiräume einengen. Was habe ich heute davon, mein Kind bis 22:00 Uhr betreuen zu können, wenn ich später eben wegen diesem Angebot vom Arbeitgeber verpflichtet werde, eben dies auch nutzen zu müssen? Was vielleicht vorher gar nicht der Fall war, nie diskutabel war? Ist es dann immer noch ein mehr an Möglichkeit, oder nicht doch eher Zwang?

Sicher gibt es den/die Eine/n oder Andere/n, welcher davon Nutzen ziehen könnte/würde. Gilt das auch gesamtgesellschaftlich? Gibt es dazu Untersuchungen, wie sich das auch auf die übrige Arbeitswelt nicht Alleinerziehender auswirken würde/könnte? Und gewinnen dadurch AE überhaupt? Das Agrument, "mein Kind die ersten Jahre selber betreuen zu dürfen" würde unter dem Zwang gestiegener Eigenverantwortung neu diskutiert werden dürfen. Vielleicht gibt es dann ja eine Gesetzesänderung, welche das Recht des AE auf 3 Jahre Abschuss-Schonzeit auf 6 Jahre erweitert? Oder was weiß ich, was die sich einfallen lassen würden.

Eines solche Betrachtung verstehe ich ebenfalls unter Entschleunigung. Eben eine Beschleunigung abzuwehren. Ich möchte nunmal Freiräume, und nicht (eventuelle) Möglichkeiten, meine Freiräume einzuengen. Die Bereitschaft, sich angeblichen sachl. Gegebenheiten unterzuordnen, verstehe ich übrigens unter typisch deutsch. Das zur Erklärung. Es werden andere Ideen nicht mal diskutiert, sondern gleich einsortiert, aussortiert, und das bewährte "weiter so" neu begründet und gestützt. Oder hat auch nur einer hier mal zugehört, was z.B. Varoufakis gesagt hat? Auch das, was hierzulande nicht veröffentlicht wurde? Hat sich einer die Mühe gegeben zu verstehen, und auch nur ansatzweise eigene Gedanken zu entwickeln? Gedanken, die nicht bereits in den Medien dargelegt wurden?

Der Ruf nach einer Lösung, wenn man nicht mehr weiter weiß, ist verständlich. Wieso reicht es aber nicht aus erst einmal fundiert festzustellen, dass der bisherige Weg nicht funktioniert? Und das wie gesagt fundiert, begründet - unbefangen und nüchtern analysiert. Solange das nicht umgesetzt wird, kann m.E. keine andere Lösung gefunden werden, da die "Alten" immer wieder darauf beharren werden und bisher unwiderlegte "Agrumente" haben, dies zu verhindern. Und - sie haben die Macht dazu. Von daher ist es denen ja auch so wichtig, das Kritik kleingeredet wird. Ignorieren, Verschweigen, Heucheln, Lügen. All das durften wir bereits jahrelang hinnehmen. Und wer ein wenig das verfolgt wird feststellen, dass dieses Gebaren enorm zunimmt. Jeder halbwegs politisierte Mensch weiß das auch, ahnt es zumindest. Nur mag er sich damit nicht auseindander setzen (wollen). Ein wenig mehr Mut wäre schön.

Gruss oldie

Wenige sind das, was sie vorgeben zu sein.
Und wenn ich es mir recht überlege - niemand.

AntwortZitat
Geschrieben : 18.07.2015 16:50
Lausebackesmama
(@lausebackesmama)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Omas arbeiten i. d. R. selbst noch und leben für gewöhnlich auch nicht im Haushalt. Die Nachbarn werden sich bedanken und in Millionen normalen (nicht Vaterseinklientel) Familien werden sich Eltern die Betreuung weitestgehend organisieren. Zumindest im RL meines Umfeldes.

"Früher" ist ein schwaches Argument. Früher haben Väter i. d. R. Familien ernährt. Da hat Frau im ländlichen Betrieb mitgearbeitet oder die Hausmädchen bewacht. Und in armen Familien, in denen beide Eltern arbeiten mussten, haben eben die großen auf die kleinen Geschwister aufgepasst. Aber dieses Sozialromantik passt eben nicht mehr ins 21. Jahrhundert.

Ich werde deswegen aber keine Republikflucht begehen, sondern weiter auf die Mauer steigen und rufen: "Wir sind das Volk!"

Es wäre schön, wenn Du dabei erkennst, dass Du eben auch nicht fürs Volk rufst. Sondern für Dich und eine gewisse Gruppe. Für mich rufst Du jedenfalls nicht mit.

LG LBM

‎"Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung,
dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst."

AntwortZitat
Geschrieben : 18.07.2015 16:51




(@beppo)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Nein, du kannst ja auch gerne was anderes rufen.

Möchte ich dir gar nicht verwehren. 🙂

Ein Mann, der seine Frau verlässt, ist ein Schuft.
Ein Mann, der von seiner Frau verlassen wird, ist auch ein Schuft, denn sonst hätte sie ihn ja nicht verlassen müssen.

AntwortZitat
Geschrieben : 18.07.2015 16:53
Lausebackesmama
(@lausebackesmama)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Moin
Das Angebot selber beinhaltet aber nun mal Wettbewerb. Von daher ist die von Dir behauptete philosophische Grundsatzdebatte sehr wohl und auch unter diesem Blickwinkel zu führen. Neue Angebote müssen m.E. in der Gesamtheit betrachtet werden - zwingend. Nicht der kurze Blick auf neue Möglichkeiten, sondern auch unter dem Blickwwinkel neuer sich daraus ergebener gesellschaftlicher Selbstverständlichkeiten, welche später zu Pflichten werden und Freiräume einengen. Was habe ich heute davon, mein Kind bis 22:00 Uhr betreuen zu können, wenn ich später eben wegen diesem Angebot vom Arbeitgeber verpflichtet werde, eben dies auch nutzen zu müssen? Was vielleicht vorher gar nicht der Fall war, nie diskutabel war? Ist es dann immer noch ein mehr an Möglichkeit, oder nicht doch eher Zwang?

Oldie, man kann sicher ganz hervorragend philosophieren, wie eine ideale Welt aussehen würde. Eine Welt, in der wir unsere Kinder selbst betreuen ohne dabei finanzielle Not zu haben. In der wir eigenverantwortlich und autark vom Staat sind, selbstverständlich für unsere Nächsten einstehen. Nenn mich phantasielos, aber das ist Science Fiction.

Und vor allem, beantwortet mir doch eine Frage: Wie verträgt sich denn all das, was ihr hier vortragt damit, dass sich Eltern nach einer Trennung allein finanzieren und sich die Betreuung des Kindes teilen? Das was ihr hier gerade propagiert FÖRDERT doch diese "einer zahlt, einer betreut" Denke nur!

Wo gibt es denn bitte die Konstellation, dass Mutti und Pappi Jobs haben, bei denen sich die Arbeitszeiten so ergänzen, dass sie sich ihren Nachwuchs gegenseitig zum Betreuen in die Hand drücken und dann ihren sie und die Kinder voll finanzierenden Jobs nachgehen? Papa schlachtet von 6-14.30 Uhr die Schweine und Mama fährt dann von 15-23.30 Uhr ins Büro? Und nächste Woche umgekehrt? 
Und wo bleibt dann der zitierte "Freiraum"?

Oder ist jetzt die Lösung, dass 30h-Jobs wie Vollzeit bezahlt werden müssen (wovon?), damit die Familie auch noch was voneinander hat? Wer bezahlt das dann? Die Wirtschaft, die wir entschleunigen? Oder der Staat, von dem wir autark sein wollen?

Mein Vermieter will Geld für die Miete. Ich habe Kosten, um zur Arbeit zu kommen. Der Stromanbieter will Geld für den Strom, Wasser, Nahrung, Kleidung kosten Geld. All das können viele Familien nur durch Vollzeitjobs leisten. Dafür müssen sie ihre Kinder betreut wissen. In Berlin bekommst Du eine bezahlbare 3-4 Zimmerwohnung nicht unter 1000 Euro warm. In irgendein Marzahner Ghetto im 47. Stock Platte will ich nicht ziehen, denn das verstehe ICH (!!) nicht unter Lebensqualität. Mein Kind möchte mal einen Ausflug machen, zu einem Kindergeburtstag gehen, seinen feiern und braucht aktuell ein neues Fahrrad. All das kostet Geld, Geld fällt nicht vom Himmel.
Und da man nicht alles haben kann, würde ich meine Existenz und die des Kindes gerne sichern UND mir und ihm auch einen kleinen Anspruch auf Dinge, die uns guttun erlauben. ZB eben eine Wohnung in Lichterfelde statt im Wohnghetto. Dafür muss ich Vollzeit arbeiten und ein Kind (bisher) betreuen lassen. Ich habe Glück und einen "Tagesjob" (und war mit 19 schlau genug keinen Beruf zu lernen, bei dem man weiß, dass man "schichten" muss) manche haben diese normalen Durchschnittswünsche wie ich und haben einen zeitungünstigen Beruf gewählt. Aber eine 90jährige Omma im Pflegeheim muss eben auch nachts Pipi. Und wenn Dein Blinddarm nachts um 3 Uhr zu platzen droht, bist Du sicher sehr froh, wenn Du nicht erst morgens um 7 Uhr die Not-OP bekommst.

So ist das Leben.

LG LBM

‎"Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung,
dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst."

AntwortZitat
Geschrieben : 18.07.2015 17:09
(@oldie)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin

Oldie, man kann sicher ganz hervorragend philosophieren, wie eine ideale Welt aussehen würde. Eine Welt, in der wir unsere Kinder selbst betreuen ohne dabei finanzielle Not zu haben. In der wir eigenverantwortlich und autark vom Staat sind, selbstverständlich für unsere Nächsten einstehen. Nenn mich phantasielos, aber das ist Science Fiction.

Ich habe mitnichten eine ideale Welt propagiert, denn ich habe gar keine Alternative geäußert. Ich habe lediglich angeregt kritisch zu hinterfragen, und dies dann auch zu äußern. Du bist hier polemisch.

Und vor allem, beantwortet mir doch eine Frage: Wie verträgt sich denn all das, was ihr hier vortragt damit, dass sich Eltern nach einer Trennung allein finanzieren und sich die Betreuung des Kindes teilen? Das was ihr hier gerade propagiert FÖRDERT doch diese "einer zahlt, einer betreut" Denke nur!

Ähm, habe ich das irgendwo gesagt? Wieso dann stellst Du diese Frage mir? Zumal ich der Auffassung bin, das Kindererziehung eine gesamtgesellschaftlich Aufgabe ist und Eltern hier 100% Enlastung daher erfahren müssen. Oftmals hier geschrieben.

Wo gibt es denn bitte die Konstellation, dass Mutti und Pappi Jobs haben, bei denen sich die Arbeitszeiten so ergänzen, dass sie sich ihren Nachwuchs gegenseitig zum Betreuen in die Hand drücken und dann ihren sie und die Kinder voll finanzierenden Jobs nachgehen?

Einseitige Betrachtung. Wer sagt denn, dass die Eltern ihr Arbeitsleben am Arbeitgeber auszurichten haben? Wieso forderst Du nicht den Arbeitgeber dazu auf, es den Arbeitnehmern recht zu machen? Z.B. per Gesetz, Tarifauseinandersetzung, (verbotenem) Generalstreik, Du als Teil des Souveräns dieser Regierung? Immer nur siehst Du den Arbeitnehmer in der Pflichrt, alles dafür zu tun, es dem Arbeitgeber Recht zu machen. Du nennst es "Überleben", ich nenne es freiwillige Versklavung. Bei dieser Sichtweise werden wir beide keinen Konsens finden. Natürlich könnte wiederum mit dem allmächtigen "Markt" agrumentiert werden. Aber das wäre ein weiteres Thema. Wenn ich jetzt sage, es gibt keinen Markt, wäre das meine Überzeugung und eine Affront, daher eine Diskussion abseits des hiesigen Themas. Ich muss es leider erwähnen, nur diuskutiert werden sollte es hier nicht.

Nur, zur folgenden Aussage hätte ich gerne mal eine Vorstellung, wie Du es gestalten würdest:

Wo gibt es denn bitte die Konstellation, dass Mutti und Pappi Jobs haben, bei denen sich die Arbeitszeiten so ergänzen, dass sie sich ihren Nachwuchs gegenseitig zum Betreuen in die Hand drücken und dann ihren sie und die Kinder voll finanzierenden Jobs nachgehen? Papa schlachtet von 6-14.30 Uhr die Schweine und Mama fährt dann von 15-23.30 Uhr ins Büro? Und nächste Woche umgekehrt? 

Deine Lösung scheint ja die 24h-KiTa zu sein. Nur was wäre dann anders? Würde dann nicht erst recht gefordert werden, genau so zu arbeiten? Und - was wäre eine mögliche Lösung, die dem Kind gerecht wird? Soll das heißen, zukünftig muss ein Kind auswärtig untergebracht werden, damit die Eltern die Existenzsicherung sicherstellen können?

Oder ist jetzt die Lösung, dass 30h-Jobs wie Vollzeit bezahlt werden müssen (wovon?), damit die Familie auch noch was voneinander hat? Wer bezahlt das dann? Die Wirtschaft, die wir entschleunigen?

Ja, würde mir gefallen. Hast Du Dich schon mal gefragt wie es möglich ist, innerhalb weniger Jahre Milliarden zu verdienen? Weißt Du, wieviele Millionäre es in D. gibt, ebenso deren Steigerungrate? Oder Milliardäre? Wieso werden gerade diese Leute nicht zur Kasse gebeten, und wenn sie kriminell werden, sie mit Samthandschuhen angefasst werden? Löse Dich vom Begriff "Wirtschaft" als Opfer und sehe mal besser die Leute dahinter, welche durch diese verdienen. Und wenn Du mit "Wirtschaft" auch die Finanz-, Versicherungs, Grundstücks-"wirtschaft" oder sonstigen fiktiven Anlagespekulierer meinst, könnten wir einen Nenner finden.

So ist das Leben.

Weil Du es so akzepzierst. Ich für meinen Teil mag nicht.

Gruss oldie

Wenige sind das, was sie vorgeben zu sein.
Und wenn ich es mir recht überlege - niemand.

AntwortZitat
Geschrieben : 18.07.2015 17:51
Lausebackesmama
(@lausebackesmama)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Ähm, habe ich das irgendwo gesagt? Wieso dann stellst Du diese Frage mir? Zumal ich der Auffassung bin, das Kindererziehung eine gesamtgesellschaftlich Aufgabe ist und Eltern hier 100% Enlastung daher erfahren müssen. Oftmals hier geschrieben.

Gut, dann schildere mir doch mal bitte, WIE genau Du Dir das vorstellst, gesamtgesellschaftlich, aber frei von staatlicher Einmischung. Für mich ist die Vorstellung in Ordnung, dass der Staat mir ein Angebot macht, bei dem ich entscheide, was ich davon annehmen möchte oder was nicht. Und wenn er dann auch noch einen Teil davon subventioniert, dann finde ich das in Ordnung.

Einseitige Betrachtung. Wer sagt denn, dass die Eltern ihr Arbeitsleben am Arbeitgeber auszurichten haben? Wieso forderst Du nicht den Arbeitgeber dazu auf, es den Arbeitnehmern recht zu machen? Z.B. per Gesetz, Tarifauseinandersetzung, (verbotenem) Generalstreik, Du als Teil des Souveräns dieser Regierung? Immer nur siehst Du den Arbeitnehmer in der Pflichrt, alles dafür zu tun, es dem Arbeitgeber Recht zu machen. Du nennst es "Überleben", ich nenne es freiwillige Versklavung.

Mitnichten. Ich bleibe jetzt mal bei mir. Mein Arbeitgeber bietet mir Gleitzeit an. Ich kann (bei Vollzeit) von 6-14.30 Uhr arbeiten, ich kann auch von 10-18.30 Uhr arbeiten. Ich kann das auch Montags so und Dienstags anders machen. Ich darf mein Kind zu Hause betreuen, wenn es krank ist und ich darf es mitbringen, wenn ich im Notfall keine Betreuung habe. Mein Arbeitgeber bietet mir auf Kosten der Arbeitszeit an, 1 x pro Woche etwas für meine Gesundheit zu tun. Und ich kann, wenn es meine persönliche Situation erfordert, neuerdings auch Telearbeit beantragen.
Was genau soll ich denn noch von ihm fordern? Wieso soll ich in einen Generalstreik treten? Wofür genau? Ich sehe es als Arbeitnehmerin als meine Pflicht an, meine Arbeit ordentlich zu machen und die Angebote, die mir zur Wahl stehen, zu nutzen, ohne meinen Arbeitgeber AUSzunutzen.
Wo genau richte ICH mich denn jetzt nach meinem Arbeitgeber? Weil ich den zugewiesenen Ort aufsuche? Weil ich akzeptiere, dass ich nicht nachts und am Wochenende arbeiten darf (was ich manchmal gerne würde). WO genau bin ich versklavt? Wieso ist es schlimm, dass ich meine Arbeit gerne mache und meinen Dienstherrn nicht als Sklavenhalter empfinde? Natürlich gefallen mir diverse Dinge auch nicht. Aber deshalb trete ich weder in einen Generalstreik, noch renne ich mit einem Schild durch die Gegend à la "ihr seid alle doof"! 

Ich würde es großartig finden, wenn mein Arbeitgeber für die erlaubten Arbeitszeiten (6 - 19 Uhr) ein Betreuungsangebot für die Eltern innerhalb der Dienststelle hätte. Ich habe Kollegen, die haben eine Anfahrt von bis zu 2h (weil sie lieber weit im Speckgürtel leben, als in der Nähe). Die haben ein akutes Betreuungsproblem, WENN sie Vollzeit arbeiten wollen. So und nun sag mir bitte: Muss jetzt hier der AG wirklich dem Kollegen was Recht machen? Oder ist das nicht eher das persönliche Pech des Kollegen, was zieht er auch nach Timbuktu? Oder soll der AG nun aus Menschlichkeit das gleiche Gehalt bei 30h Arbeit zahlen, weil das arme Schwein so weit fahren muss?

In unserem Zweig ist noch nicht mal die elektronische Zeiterfassung erlaubt, weil sich der Personalrat dabei gelinde gesagt ins Hemd macht. Ohgottogott, da könnte ja der ganze Gleitzeitbetrug auffallen. Die lieben Kollegen, die um 9 kommen, um 15 Uhr gehen und wie durch Zauberhand dabei Überstunden bunkern. Weißte was ich finde? Elektronische Zeiterfassung einführen und dann immer aufs Dach. Aus dem Beamtenverhältnis entfernt gehören die! Es ist nicht nur Betrug sondern geht auch zu Lasten derer, die ihre Pflichten ernst nehmen.

Ich glaube, es ging Arbeitnehmern noch nie so gut wie heute und das Gejammer darüber, wie wir uns versklaven lassen, war auch noch nie so hoch wie heute. Ich bin dafür, dass man Ausbeuterfirmen das Handwerk legt, also den wirklich schwarzen Schafen. Aber ansonsten eben auch mal die Kirche im Dorf lässt.

Ansonsten erkläre mir doch bitte mal, wo DU versklavt bist und wieso Du das nicht abstellen kannst?

Bei dieser Sichtweise werden wir beide keinen Konsens finden. Natürlich könnte wiederum mit dem allmächtigen "Markt" agrumentiert werden. Aber das wäre ein weiteres Thema. Wenn ich jetzt sage, es gibt keinen Markt, wäre das meine Überzeugung und eine Affront, daher eine Diskussion abseits des hiesigen Themas. Ich muss es leider erwähnen, nur diuskutiert werden sollte es hier nicht.

An dieser Stelle könnte ich nicht diskutieren, weil ich hier wieder gar nicht verstehe, was deine Aussage ist.

Nur, zur folgenden Aussage hätte ich gerne mal eine Vorstellung, wie Du es gestalten würdest:Deine Lösung scheint ja die 24h-KiTa zu sein. Nur was wäre dann anders? Würde dann nicht erst recht gefordert werden, genau so zu arbeiten? Und - was wäre eine mögliche Lösung, die dem Kind gerecht wird? Soll das heißen, zukünftig muss ein Kind auswärtig untergebracht werden, damit die Eltern die Existenzsicherung sicherstellen können?

Du wirst lachen. Vielleicht wäre es mir ganz recht, wenn ich an 24h am Tag in 7 Tagen in der Woche entscheiden dürfte, WANN ich meine insgesamt 40h ableiste. Ich empfände das als große Freiheit für mich und meine Lebensplanung. Mittags zu Hause sein, wenn mein Kind mich zB zum Üben für eine Klassenarbeit braucht? Genial. Dafür aber arbeiten gehen, wenn er sowieso unterwegs/verabredet ist/ schläft? Prima. Das ist im Übrigen das, was Selbständige und Homeofficeler gerne tun: Die Arbeit auf die Zeit legen, in der sie in ihren Plan passt. Wieso sollte ich denn zB einen Kundentermin nicht um 21 Uhr machen, wenn ich bspw. am Folgetag dafür um 9 Uhr einen Termin in der Schule wahrnehmen könnte?
Wenn ich das mit einem jüngeren Kind als meinem tun wollte, bräuchte ich aber eine verlässliche Betreuung. Und für eine private Nanny hat mir zumindest immer die Kohle gefehlt.

Da es ja nun fast in jedem Bereich Tarifverträge gibt, könnte man ja in besagten Verträgen Regularien einbauen, die die Grenzen des Forderbaren feststecken. Dass zB niemand, der ein Kind unter xx Jahren hat, zur Aufnahme des Arbeit in den Zeiten von xx-yy Uhr zwingen kann.

Und ja. Die Unterbringung der Kinder dient (abgesehen vom pädagogischen Nebeneffekt) wohl zum überwiegenden Teil der Existenzsicherung der Eltern. Ist da jetzt ein Unterschied, ob es 9h am Tag oder 9h in der Nacht betreut wird? Und soll ich jetzt mal im Forum nach Beiträgen suchen, bei denen ein Elternteil FORDERT, dass der andere Elternteil die vorhandene Infrastruktur nutzt, um das Kind fremdbetreuen zu lassen, damit er den Unterhalt einstellen kann?

Fremdbetreuung um Unterhalt zu sparen = okay
Fremdbetreuung um zu arbeiten = nicht okay?
Wes Brot ich ess' des Lied ich sing?

Ja, würde mir gefallen. Hast Du Dich schon mal gefragt wie es möglich ist, innerhalb weniger Jahre Milliarden zu verdienen? Weißt Du, wieviele Millionäre es in D. gibt, ebenso deren Steigerungrate? Oder Milliardäre? Wieso werden gerade diese Leute nicht zur Kasse gebeten, und wenn sie kriminell werden, sie mit Samthandschuhen angefasst werden? Löse Dich vom Begriff "Wirtschaft" als Opfer und sehe mal besser die Leute dahinter, welche durch diese verdienen. Und wenn Du mit "Wirtschaft" auch die Finanz-, Versicherungs, Grundstücks-"wirtschaft" oder sonstigen fiktiven Anlagespekulierer meinst, könnten wir einen Nenner finden.
Weil Du es so akzepzierst. Ich für meinen Teil mag nicht.

Was hat das jetzt mit dem Thema zu tun? Wenn Du mich fragst, dürften sie so ne Type wie Hoeneß nicht nach ein paar lächerlichen Monaten "zum Arbeiten zum FCB" lassen. Oder nach 3 Jahren wieder raus. Aber ich habe an der Stelle keine Lust, irgendwelche gesamtpolitischen Diskussionen zu führen.

Gruß, LBM

‎"Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung,
dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst."

AntwortZitat
Geschrieben : 18.07.2015 19:43
(@kasper)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin,

ich glaube, dieses Thema ist wesentlich farcettenreicher ...
LBM hat ihre Meinung, aus der Sicht einer betroffenen Mutter. Ich muss jetzt auch zugeben, dass ich mir die letzten Beiträge von heute nicht mehr alle durchgelesen habe (Sonne blendet und lass mir die Sonne auf den Bauch scheinen ...)!
Nur meine bescheidene Meinung hierzu, mit dem was mir auffällt, da die Wahrheit vermutlich (wie so oft) irgendwo dazwischen liegt ...

Beppo kann nicht argumentieren, dass eine Schichtbetreuung - auch über Nacht - grundsätzlich schädlich für das Kind ist. Er verweist darauf, dass auch ein KV zur Verfügung stehen würde ... ok, mag sein, ist aber nicht immer der Fall. Auch ein KV muss arbeiten bzw. es gibt (noch) die Variante, dass einer KU zahlt (und das nicht gerade wenig) udn einer die Betreuung leistet. Beides ist perse gleichwertig und lt. Gesetz so festgelegt. Dann gibt es die Varianten, in denen ein Elternteil beide Seiten leistet (sprich Betreuung und Unterhalt) und vielleicht, aus welchen Gründen auch immer, kein Umgang stattfinden KANN. Damit hat ein Elternteil schon einmal die Arschkarte gezogen (meist ja dann der, der beides leistet). Jetzt mit dem Argument zu kommen, es sei schädlich für das Kind, halte ich für unverfroren, da der BET quasi unter Umständen in die Sozialfalle gedrängt wird und sich dann wieder den Vorwurf gefallen lassen muss, er würde dem Staat (der Allgemeinheit) auf der Tasche liegen ... Da beißt sich die Katze in den eigenen Schwanz.

Im Umkehrschluß, und da gebe ich Beppo ausnahmslos recht, beflügelt das Familienrecht die Auseinandersetzung um das Kind, und stellt denjenigen mit dem Kind in eine bessere Ausgangssituation, wenn es bei dem ganzen Kampf (ob zu Recht, oder einfach nur aus Rachegedanken) nur um das finanzielle Thema geht (und darum geht es ja leider meist immer).

Noch als Nebensatz möchte ich zu bemerken geben, dass LBM mit ihrem Arbeitsverhältnis als Beamten in einer durchaus komfortablen Situation steckt (ich war selber Beamter und kenne mich mit dem Besoldungsystem recht gut aus). Damit stehen arbeitsrechtliche Mittel zur Verfügung, die der Masse an Arbeitnehmern nicht zur Verfügung stehen ... Aber gut.

Damit wären wir wieder bei meinem Lieblingsthema, den Finanzen.
Worum wird den in der Summe meist gekämpft? Das liebe Geld!
Die Gründe sind vielfälltig. Die einen sagen, dass Kinder nunmal teuer sind, Erziehung Geld kostet, Kinder ihre Bedürfnisse haben. Dann kommen die Gegenmeinungen, dass die Geburten rückläufig sind und man sich wegen der Risiken des Familienrechts nicht darüber wundern dürfte.
Die ganze Geschichte wird letztendlich nur dann aufhören, wenn diese Krucks aufgebrochen wird. Es ist mir bewusst, dass nicht jeder Einzelfall abgefedert werden kann und es immer wieder Ungerechtigkeiten kommen wird, mir geht es um die Masse.

Es wird nur gehen, wenn die finanzielle Kindererziehung als gesamtgesllschaftliche Aufgabe gesehen wird. Darunter stelle ich mir vor, dass KG in der Höhe gezahlt wird, dass der Zahlbetrag für ein UET maginal ist und diesen nicht bis an den Rand des finanziellen Ruins treibt. Gleichzeitig halte ich es für notwendig das die Kinderbetreung kostenlos gestellt wird, um nicht durch irgendwelchen Sonderbedarf/Mehrbedarf irgendwelche Ansprüche zu generieren. Damit dürfte auch der gesamte Rahmen finanziell reduzierter ausfallen.
Ein kleiner Mitnahmeeffekt wäre, dass Kinder nicht mehr psychisch demontiert werden und die gesamte rechtliche Seite wesentlich reduziert wird. Davon können alle seiten nur gewinnen.

Gruß
Kasper

Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge zu ertragen, die ich nicht Ändern kann, den Mut, Dinge zu Ändern, die ich Ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

AntwortZitat
Geschrieben : 18.07.2015 20:58
(@oldie)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin

Gut, dann schildere mir doch mal bitte, WIE genau Du Dir das vorstellst, gesamtgesellschaftlich, aber frei von staatlicher Einmischung. Für mich ist die Vorstellung in Ordnung, dass der Staat mir ein Angebot macht, bei dem ich entscheide, was ich davon annehmen möchte oder was nicht. Und wenn er dann auch noch einen Teil davon subventioniert, dann finde ich das in Ordnung.

Siehste, und schon verlangst Du nach Lösungen, ohne die Problematik an sich zu beschreiben. Sei's drum.
- freie KiTa, freie Schule, freier Hort (frei heißt selbstverständlich auch kostenfrei), ebenso freies Essen in diesen Einrichtungen. Warum? Habe ich im Beitrag zuvor erläutert.
  Anmerkung: seit dem es private Kitas und Schulen gibt, ist das längst nicht mehr so selbstverständkllich, wie es jetzt vermutlich gerne agrumentativ (freilich unter Ausschluss priv. Träger) behauptet wrden möchte. Eben genau diese Agrumentation konterkariert die freie Wahl an Bildung. Es macht sie vom Geldbeutel abhängig, vom Leistungsprinzip, von der Verteilung. Nur wird es von der Masse akzeptiert, eine Differenzierung findet nicht statt, wird kleingeredet.

Mitnichten. Ich bleibe jetzt mal bei mir. Mein Arbeitgeber bietet mir Gleitzeit an. Ich kann (bei Vollzeit) von 6-14.30 Uhr arbeiten, ich kann auch von 10-18.30 Uhr arbeiten. Ich kann das auch Montags so und Dienstags anders machen.

Du bist ein verdammter Egoist. Andere haben nicht mal ansatzweise Deine Möglichkeiten. Von daher mag ich Dein Beispiel gerne erkennen, aber sicher nicht verallgemeinern wollen. Das Du dies nicht selber erkennst fällt mir schwer zu verstehen.

Es ist genau dieses Problem, dass jeder (aus gegebenen und natürlichen) Umständen heraus von sich ausgeht. Privilegierte, so wie Du als auch ich, können leicht anders agrumentieren. Weder Du noch ich werden jemals in die Verlegenheit kommen, aus Insolvenzgründen der "Firma" ihren Job zu verlieren. Diese "Kleinigkeit" wirst Du in Deinem Alltag vermutlich nicht mal sekundenweise an Dich heran lassen müssen. Ja, allein dieser Gedanke ist Dir unbekannt. ICH kenne Leute in Firmen und erlebe sie dabei. Leute, die nicht wissen, ob sie den nächsten Tag noch eine Beschäftigung haben, diese verlieren, oder in der Gewissheit sie verloren zu haben noch wenige Tage die von mir angeordneten Aufgaben zu erfüllen. Unverschuldet. Das jeweilige Schicksal dahinter sollte auch interessieren, wenn über 24h-Betreuung von Kindern diskutiert wird. Hat damit nämlich nix zu tun. Eine 24h-Betreuung ist kein Angebot zur Arbeitssicherung, vielmehr ist es ein Angebot zur Kindesvernachlässigung minderbemittelter Arbeitnehmer - zwangsläufig.

Ansonsten erkläre mir doch bitte mal, wo DU versklavt bist und wieso Du das nicht abstellen kannst?

Da ich keine Kinder mehr zu betreuen habe - wie Du ganz ganz sicher weißt - trifft das auf mich nicht mehr zu. Ich habe keine Zwänge, welche Du hier komplett ignorierst entgegen obiger Diskussion. Inzwischen regele ich meine Arbeitszeit nach meinen Bedürfnissen.  Ich kann es mir erlauben, ich tue es, und es darf Dich einen Sch.. angehen. Bleibe doch bitte sachlich. Du wirst schon wieder polemisch.

An dieser Stelle könnte ich nicht diskutieren, weil ich hier wieder gar nicht verstehe, was deine Aussage ist.

Beliebte Worte von Dir, wenn Du Dich verweigerst, Zusammenhänge ansatzweise eigenständig zu entwickeln. oder - sie Dir widersprechen. Für mich nicht eine Frage der unverständlichen Äußerung, eher mangelnder Wille sich auseinander setzen zu wollen.

Wo genau richte ICH mich denn jetzt nach meinem Arbeitgeber? Weil ich den zugewiesenen Ort aufsuche?

Das ist unbedarft. Du bekommst die Bezüge die notwendig sind, keine unbequemen Nachfragen zu stellen. Ich habe nicht vergessen was es heißt, auch mal ganz unten gelebt zu haben.

Den Rest hake ich ab ob:

Aber ich habe an der Stelle keine Lust, irgendwelche gesamtpolitischen Diskussionen zu führen.

Du benennst zwar die Themen, magst aber nicht diskutieren. Wie soll Deiner Meinung nicht mal selbst auf der unteren Ebene eines Forums nach eine Lösung gefunden werden, wenn Du nicht diskutieren magst?
ich glaube, dieses Thema ist wesentlich farcettenreicher ...

Sehe ich auch so. Eine Isolation auf famrechtl. Probleme kann nicht greifen, ohne die dazu gehörige Gesllschaft zu diskutieren. Meine Interpretation Deiner Worte. 😉

..., dass der Zahlbetrag für ein UET maginal ist und diesen nicht bis an den Rand des finanziellen Ruins treibt.

Deinen Nachsatz interpretiere ich als Zuspitzung, wäre für mich inakzeptabel. Bereits vorher muss es eine Regulierung geben.

LG oldie

Wenige sind das, was sie vorgeben zu sein.
Und wenn ich es mir recht überlege - niemand.

AntwortZitat
Geschrieben : 18.07.2015 21:39
(@kasper)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Deinen Nachsatz interpretiere ich als Zuspitzung, wäre für mich inakzeptabel. Bereits vorher muss es eine Regulierung geben.

Nein, sehe ich nicht.
Wenn wir hier über einen Betrag von um die 100 Euro reden, über die nicht groß gestritten werden kann (und darf), dann ist das von fast jedem zu leisten. Ich nehme hier auch expliziet aus, dass nach einer Düsseldorfer Tabelle irgendwelche Einkommenszuwächse möglich sind. Denn auch gerade diese sind ein Grund dafür, dass trefflich um das sogenannte Kindeswohl über die Geldbörse gestritten wird.

Und genau dies ist das Problem, dass kranke Kinder, traumatisiert und hin- und hergerissen, produziert werden. Alle Beteiligten, FamG, VB, ASD (und die ganze andere Krux) sind sich dessen garnicht bewusst.
Und ich vage die Prognose, wenn kein Geld mehr über die Betreuung zu holen ist, dass eine gleichberechtigtere Betreuung immer wahrscheinlich wird (Einzelfälle ausgenommen). Alleine die Gerichts- und Verfahrenskosten dürften einen Milliardenbetrag ausmachen (den ich aber leider nicht mit einer Quelle belegen kann).

Alternativ könnte man auch regeln: Betrag X steht jedem Kind zur Verfügung. Mehr gibt es nicht. Alles andere ist kostenfrei"!

Gruß
Kasper

Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge zu ertragen, die ich nicht Ändern kann, den Mut, Dinge zu Ändern, die ich Ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

AntwortZitat
Geschrieben : 18.07.2015 21:50
(@oldie)
(Fast) Eigentumsrecht Registriert

Moin

Wenn wir hier über einen Betrag von um die 100 Euro reden, über die nicht groß gestritten werden kann (und darf), dann ist das von fast jedem zu leisten.

100€ sind für einen 400,-€-Jobber etwas anderes als für einen gestandenen Produktionsarbeiter. Die soziale Schere würde sich lediglich verkleinern. Ich möchte, dass sie bzgl. Kindern erst gar nicht diskutiert werden muss.

Gruss oldie

Wenige sind das, was sie vorgeben zu sein.
Und wenn ich es mir recht überlege - niemand.

AntwortZitat
Geschrieben : 18.07.2015 21:56
Lausebackesmama
(@lausebackesmama)
(Fast) Eigentumsrecht Moderator

Lieber Oldie,

Du kannst mir nicht einerseits vorwerfen, dass ICH es verweigere zu erkennen, dass ich versklavt bin und mich dann eine Egoistin schimpfen, wenn ich darstelle, warum ich es nicht bin. Das ist nun wirklich völlig verschwurbelte Logik.

Natürlich hast Du Recht, dass es mir als Beamtin nicht schlecht geht. Allerdings gibt es in meinem Umfeld, Du wirst es kaum glauben, auch Menschen mit Jobs ohne Verbeamtung und die jammern auch erstaunlicherweise nicht permanent rum, was für versklavte Opfer sie sind. Und Du wirst es ebenfalls nicht glauben, ich habe selbst einige Jahre in der freien Wirtschaft gearbeitet, nein, ich bin nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren worden. Ich habe auch einen Job verloren. Das war hart für mich, aber nun denn: Wir leben nun mal nicht in einer Planwirtschaft, so wie mein Exschwiegervater, der am 2. von 5 Arbeitstagen sein Soll Bäume im Wald umgehauen hat und sich den Rest der Zeit bezahlt fürs Nixtun die Hucke hat volllaufen lassen.

Beliebte Worte von Dir, wenn Du Dich verweigerst, Zusammenhänge ansatzweise eigenständig zu entwickeln. oder - sie Dir widersprechen. Für mich nicht eine Frage der unverständlichen Äußerung, eher mangelnder Wille sich auseinander setzen zu wollen.

:rofl2: Nein mein lieber. Es gibt unzählige Texte von Dir hier, bei denen ich fünf Mal lese und denke: HÄ? Und ich weiß gottlob, dass ich nicht die Einzige mit diesem Problem bin. Mag es an der späten Uhrzeit oder anderen Einflüssen liegen, Du schreibst einfach manchmal Kisuaheli rückwärts.

Und Oldie, ich habe selbst genug "ganz unten" gelebt. Allerdings kann ich von mir behaupten, auch zu erkennen, dass ich daran niemals ganz unschuldig war und muss dafür nicht den Staat oder den Arbeitgeber als Schuldigen missbrauchen. Mich hat niemand gezwungen, ein Studium abzubrechen, als Ungelernte zu arbeiten und mit einem Mann ein Kind zu kriegen, bei dem ich mit gutem Willen die Vorwarnzeichen, dass die Chance auf eine Katastrophe bei 50/50 liegen, übersehen habe. Die Beamtenurkunde habe ich auch nicht auf dem Silbertablett bekommen und ich stamme selbst aus einer Arbeiterfamilie. Mein Vater hat als auf dem Bau arbeitender Mensch (und nun wahrlich nicht Privilegierter) Jobs verloren und Jobs selber hingeschmissen. Wir haben als Familie AUCH Phasen gehabt, wo das Geld knapp war oder Arbeit nicht in Sicht. Reicht das? Wo ist denn die Lösung? Gleiches Geld für alle?

Du hast keine Zwänge. Freut mich für Dich. Meine ich ehrlich. Du kannst mir aber immer noch nicht sagen, welchen Zwängen und Versklavungen durch den Arbeitgeber Eltern allgemein unterliegen und wofür sie nun in den Generalstreik treten sollen. Und wenn ich dich danach frage, bekomme ich zu dazu die Antwort, dass ich das Problem ignoriere und Lösungen verlange. Hä?

Und mit der gesamtpolitischen Diskussion meine ich, dass ich nicht von Hundertsten ins Tausendste gehen will, wenn man nicht mal an dem einen Punkt vorwärts kommt.

Und noch mal: Mein Weg zu dem, wo ich JETZT bin, war hart. Und ich bin die Letzte, die das irgendwem, ob Eltern oder nicht, nicht auch zugesteht. Eben deshalb bin ich schließlich für die Ausweitung der MÖGLICHKEITEN. Von mir aus auch die kostenlose Betreuung für alle Kinder.

Gruß LBM

Im Übrigen: "darf Dich einen Sch... angehen." und dann im folgenden Satz "Bleib doch bitte sachlich." nennt man für gemeinhin einen "Schuss ins eigene Knie".

‎"Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung,
dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst."

AntwortZitat
Geschrieben : 19.07.2015 01:32
(@biggi62)
Nicht wegzudenken Registriert

Hui, hier geht's aber wieder rund ...  😉

Gut, dann schildere mir doch mal bitte, WIE genau Du Dir das vorstellst, gesamtgesellschaftlich, aber frei von staatlicher Einmischung. Für mich ist die Vorstellung in Ordnung, dass der Staat mir ein Angebot macht, bei dem ich entscheide, was ich davon annehmen möchte oder was nicht.
...
Aber ich habe an der Stelle keine Lust, irgendwelche gesamtpolitischen Diskussionen zu führen.

Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, sehe ich die Lösung tatsächlich im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang.

In Deutschland ist es politischer Konsens, dass die Verwahrung von verurteilten Straftätern eine hoheitliche Aufgabe ist, die die Allgemeinheit aus Steuergeldern zu zahlen hat. Genau wie die Unterhaltung von Bundesautobahnen, das Eintreiben der Steuern, die Landesverteidigung durch die Bundeswehr sowie das Aufrechterhalten der öffentlichen Ordnung durch Ordnungsämter (kommunal, wie KiTas und Schulhausmeister), Polizei (Ländersache, wie Lehrer an allgemeinbildenden Schulen auch), und Bundesgrenzschutz (Bundessache, wie die Bundeswehr und die Bundesautobahnen).

Selbstverständlich sind z. B. die Unterbringung und Bewachung von Straftätern oder das Unterhalten einer Feuerwache nicht kostenlos: Da braucht es Gebäude (sogar besonders ausgerüstete), Fahrzeuge (ebenfalls besonderer Bauart) und Personal (besonders ausgebildet). Es gibt im politischen Mainstream genau 0,0 % Diskussion darüber, ob solche Ausgaben notwendig seien.

Ein bisschen parteipolitisches Gerangel gibt es ab und an in Fachausschüssen um das Ausmaß und die Organisation des gesetzlichen Resozialisierungsauftrags oder der Förderung der freiwilligen Feuerwehren - aber im Großen und Ganzen ist man sich einig, dass der Staat den gesamtgesellschaftlichen Auftrag hat, die Allgemeinheit vor Feuersbrünsten und Verbrechern zu schützen und seine entsprechend qualifizierten Mitarbeiter angemessen zu entlohnen bzw. zu besolden.

In Dänemark gibt es einen ähnlichen Konsens bezüglich des Betreuungsbedarfs von Kindern:

"Im Verständnis der Dänen haben nicht nur die Eltern die Verantwortung für das gesunde Aufwachsen der nächsten Generation, sondern die ganze Gesellschaft.
...

Über dieses Modell besteht Konsens, quer durch die Parteien, von konservativ bis linksliberal. Konsens auch bei Unternehmen, Verbänden und Eltern."

Dieser gesellschaftliche Konsens fehlt bei uns bezogen auf Kinder vollkommen.

Die unsäglichen Debatten um die ruinöse Entlohnung freiberuflicher Tagesmütter, der Quasi-Berufsverbot freiberuflicher Hebammen (weil die Allgemeinheit sich weigert deren Haftpflicht zu besichern), der seit Jahrzehnten überfällige Streik der Erzieherinnen, der grauenerregende Zustand von Schulgebäuden und städtischen Kindertagseinrichtungen, die flächendeckende Unterschreitung international anerkannter Standards beim Personalschlüssel und der Ausstattung von Kindertagesstätten, die Auswahl von Hilfskräften bei der Nachmittagsbetreuung und von Busunternehmen für Schulbusfahrten zeigen alle denselben gesellschaftlichen Konsens:

Wer Kinder in die Welt setzt oder seine berufliche Erfüllung darin sieht, dass Kinder geboren und betreut werden, sollte sich diesen Luxus wie auch immer leisten können. Die Gesellschaft sieht sich an dem Punkt weder auf kommunaler noch auf Landes- oder Bundesebene irgendwie in der Pflicht, Verantwortung für nicht wahlberechtigte und strafunmündige Mitmenschen zu übernehmen. Was Eltern nicht leisten können oder wollen, bleibt deren Kindern halt vorenthalten.

Solange die kostspielige Liebhaberei, Kinder zu gebären, zu betreuen und zu erziehen, nicht aus privaten Einkommen querfinanziert wird, ist sie in Deutschland schlichtweg unerschwinglich. 

"Wertschätzung der Kinderbetreuung, das heißt auch pragmatische Hilfe bei Problemen statt Grundsatzdiskussionen.
...
Die Tagesmütter fühlen sich unterstützt, nicht kontrolliert. Das Geld stimmt, der Status auch. Das spricht sich herum. Einige Frauen haben sogar ihre Jobs in Banken oder Büros gekündigt, um Tagesmütter zu werden."

Jedes lebendgeborene Kind hat in Dänemark, Schweden und Finnland einen Betreuungsanspruch gegen die Gesellschaft. Wer vier Kinder im eigenen Haushalt betreut, kassiert dafür ein Vollzeitgehalt. Als kommunale/r Angestellte/r, ähnlich unseren Stadtgärtnern, Ordnungsamtmitarbeitern oder Feuerwehrleuten. Weil die Aufgabe "Kinderbetreuung" in Skandinavien als unverzichtbar für das Allgemeinwohl angesehen und angemessen entlohnt wird: []quote"Hier (Anm.:d.h. Dänemark) ist "Tagesmutter" ein anerkannter Beruf: Die Tagesmütter arbeiten als Festangestellte für die Gemeinde. Sie zahlen in die Sozial- und Rentenversicherung ein und haben natürlich auch einen Urlaubsanspruch wie alle anderen Angestellten. Lukrativ ist ihre Tätigkeit auch: Das Gehalt einer Tagesmutter liegt bei rund 2.800 Euro monatlich, ähnlich dem einer Verkäuferin oder Sekretärin. Damit die Kinderbetreuung für die Eltern aber bezahlbar bleibt, kostet ein Ganztagsplatz bei einer Tagesmutter sie aber nur 300 Euro monatlich, für Geschwisterkinder zahlen sie sogar noch weniger. Von so niedrigen Elternbeiträgen kann man eine professionelle Tagesmutter in Dänemark natürlich nicht bezahlen. Deshalb subventioniert die Gemeinde die Tagesmütter und schießt auch die fehlenden zwei Drittel für die tatsächlichen Kosten der Kinderbetreuung aus ihrem Haushalt dazu."

Die deutsche Botschaft in Kopenhagen informierte deutsche Einwanderer im Jahr 2012:

"Kinderbetreuung ist in Dänemark bis zum Einschulungsalter Aufgabe der Kommunen. Es werden je nach Kommune verschiedene öffentliche Kinderbetreuungsdienste von Tagesmüttern bis hin zu Kindergärten angeboten. Auch die Kosten variieren (von ca. 1300 DKK bis ca. 3000 DKK). Viele Kommunen garantieren einen öffentlichen Kinderbetreuungsplatz ab einem Alter von 30 Wochen. Weitere Informationen sind bei der Wohnortkommune erhältlich."

Das heißt für 174 € bis 400 € p.m. werden die Kleinen von Menschen betreut, die die Betreuung als existenzsichernde Vollzeittätigkeit ausüben, weil sie sich dafür besonders eignen, sich stetig fortbilden und den Beruf aus Neigung ausüben.   

So stelle ich mir ein Angebot vor,

bei dem ich entscheide, was ich davon annehmen möchte oder was nicht ...  gesamtgesellschaftlich, aber frei von staatlicher Einmischung

.

Die Prio-Liste deutsche Politiker sieht anders aus. Ganz anders. Auch unser Konsens

quer durch die Parteien, von konservativ bis linksliberal. Konsens auch bei Unternehmen, Verbänden und Eltern.

sieht in Deutschland, Österreich und der Schweiz ganz anders aus:

Männer im allgemeinen, Väter und Söhne im Besonderen kümmern sich in dem Maße um den eigenen Nachwuchs bzw. um ihre greisen Eltern, wie ihnen ihre Berufstätigkeit dafür Zeit und Kraft lässt. Es ist gesellschaftlich anerkannt und hoch erwünscht, wenn Männer ihr berufliches Fortkommen und die Interessen ihres Arbeitgebers vor die unmittelbare und persönliche Betreuung sehr junger, sehr alter oder kranker bzw. behinderter Angehöriger stellen. Es wird von Ihnen erwartet, dass sie die finanzielle Verantwortung für das Familieneinkommen übernehmen.

Die finanzielle Unterstützung des männlichen Familienernährers durch weibliche Angehörige gilt als nette Geste. Nice to have, aber eigentlich nicht notwendig. Eventuell sogar ehrenrührig und das persönliche Selbstwertgefühl bzw. die Menschenwürde angreifend, je nachdem wer in welcher Form dem Mann finanzielle Unterstützung anbietet. So die Wahrnehmung der Kollegen, Vorgesetzten, Verwandten und der Männer selbst.

Frauen im Allgemeinen, Mütter und Töchter im Besonderen gehen in dem Maße einer Erwerbstätigkeit außer Haus nach, wie ihre familiären Verpflichtungen für die unmittelbare und persönliche Betreuung sehr junger, sehr alter oder kranker bzw. behinderter Angehöriger ihnen Zeit und Kraft lässt. Es ist gesellschaftlich anerkannt und hoch erwünscht, wenn Frauen die unmittelbare und persönliche Betreuung des eigenen Nachwuchses bzw. der greisen (Schwieger- oder Stief-)Eltern vor ihr berufliches Fortkommen und auch vor die Interessen ihres Arbeitgebers stellen. Es wird von Ihnen erwartet, dass sie die emotionale und alltagspraktische Verantwortung für das Familienleben übernehmen. Die tatkräftige Unterstützung der weiblichen Familienmitglieder bei ihren Betreuungs-, Pflege und Haushaltspflichten durch männliche Angehörige gilt als nette Geste. Nice to have, aber eigentlich nicht notwendig. Eventuell sogar ehrenrührig und das persönliche Selbstwertgefühl bzw. die Menschenwürde angreifend, je nachdem wer in welcher Form der Frau tatkräftige Unterstützung im Haushalt oder bei den Kindern anbietet. So die Wahrnehmung der Kollegen, Vorgesetzten, Verwandten und der Frauen selbst.

Die Vorstellung, dass Menschen - eventuell sogar Männer (!?!?) in den Bereichen Hauswirtschaft, Altenpflege oder Kinderbetreuung ein existenzsicherndes Einkommen erzielen, erscheint der Mehrzahl aller Deutschen absurd und unverhältnismäßig.

Dass eine Ehefrau und Mutter ganz selbstverständlich am Erwerbseinkommen des Vaters ihrer Kinder teilhat, ist ebenso Konsens in Politik, Gesetzgebung, Rechtsprechung und in der Bevölkerung, wie ihre vorwiegende Verantwortung und ihre natürlichen Pflichten in den Bereichen Hauswirtschaft, Altenpflege oder Kinderbetreuung. Vor diesem gesamtgesellschaftlichen Hintergrund ist die Ehe mit einem gutsituierten Mann für junge Frauen mit Kinderwunsch auch im Jahr 2015 immer noch eine attraktivere Lebensform als die Verfolgung einer eigenen Karriere in einem gut bezahlten Beruf.

An diesem gesamtgesellschaftlichen Konsens hat sich trotz aller Sonntagsreden seit Jahrzehnten nichts geändert. Die organisierte Verantwortungslosigkeit in der öffentlichen Kinderbetreuung ist ein Abbild der allgemein geltenden Erwartung, dass Männer durch "ihr" Erwerbseinkommen "ihren" Frauen ermöglichen diese gesellschaftlich unverzichtbaren Dienste kostenlos zu erbringen. Zugleich ist dieser Konsens der Hintergrund für die Routine und Selbstverständlichkeit, mit der Väter im Familienrecht von ihren Kindern getrennt, aber finanziell haftbar gemacht werden und für die Verbissenheit, mit der Mütter um "ihre" Kinder ringen.

Gefällt mir nicht. Ist aber so. Egal was Frau Schweswig verspricht und was sie von ihren Versprechen hält oder nicht hält.

Schönen Sonntag noch!

LG 🙂 Biggi     

Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden;
es ist nicht genug zu wollen, man muß auch tun.
(J. W. von Goethe)

AntwortZitat
Geschrieben : 19.07.2015 18:11




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